Projekt

Französische Diskurslinguistik im Spiegel internationaler Forschungsdesiderata.
Überwindung methodischer Untergeneriertheit und inhaltlicher Restriktionen anhand eines Diskursausschnittes zum Thema Überwachung und Sicherheit im öffentlichen Raum.

Abstract

Die Charakteristika der französischen Diskurslinguistik unterscheiden sich sowohl in methodischer, als auch inhaltlicher Hinsicht deutlich von den Merkmalen der Diskursanalyse im deutschsprachigen sowie anglophonen Sprachraum. Da länderspezifisch unterschiedliche Ansätze auszumachen sind, es an einer übergreifenden Rezeption der jeweiligen Herangehensweisen jedoch mangelt, werden im Dissertationsprojekt folgende Forschungsdesiderata bearbeitet :

I. Eine methodologische Aufarbeitung und Synthese des Forschungsstandes für die französischsprachige Diskursanalyse bei gleichzeitiger Ausrichtung am internationalen Forschungsstand.

II. Eine Verknüpfung methodischer Zugriffe mit kognitionswissenschaftlich inspirierten Methoden zur Analyse gesellschaftlicher Wissensstrukturen, wie dies in Ansätzen derzeit in Deutschland und den USA geschieht. Hierbei liegt der Schwerpunkt auf so genannten Frames, die insbesondere durch Alexander Ziem (2008a, 2008b) für die Analyse von Diskursen fruchtbar gemacht wurden.

III. Eine Erweiterung des Untersuchungsgegenstandes sowohl in Bezug auf die linguistischen Ebenen, da sich in Frankreich das Primat einer lexikologischen Ausrichtung abzeichnet, als auch mit Blick auf die inhaltliche Dimension.

IV. Eine Hinwendung zu Diskursakteuren und Beschäftigung mit so genannten „agonalen Zentren“ (Felder 2012, 2013), da diese allgemeine Konfliktfelder in den Mittelpunkt rücken.

V. Die Einbeziehung von Korpora der gesprochenen Sprache, da diskursanalytische Arbeiten bis heute größtenteils auf die geschriebene Sprache der Printmedien beschränkt bleiben.

Im Anschluss sollen die erarbeiteten Herangehensweisen an einem Korpus zur geschriebenen sowie gesprochenen Sprache exemplifiziert werden, dessen thematische Ausrichtung mit Überwachung und Sicherheit im öffentlichen Raum interdisziplinär angelegt ist.

Methoden

Wie aus den aufgeführten Desiderata resultiert, liegt der Schwerpunkt der Arbeit in der Synthese, sprachübergreifenden Fruchtbarmachung sowie anschließenden Exemplifizierung unterschiedlicher diskurslinguistischer Ansätze. Den Ausgangspunkt bilden einschlägige frankophone Herangehensweisen, die um perspektivenerweiternde Methoden der Germanistik sowie Anglistik ergänzt werden. Berücksichtigung finden dabei qualitative sowie quantitative Ansätze aus den Bereichen der Sprachwissenschaft, insbesondere aber auch der Computerlinguistik sowie der Kognitionswissenschaften. Analysen auf Grundlage von Frames, typisierten und strukturierten Segmenten kollektiven Wissens, scheinen in diskurslinguistischen Arbeiten in Frankreich bisher unberücksichtigt zu bleiben.

Die Zusammenstellung des französischsprachigen Korpus soll ferner die Beschränkung auf Texte der geschriebenen Sprache der Printmedien überwinden, indem Möglichkeiten zur Integration von Korpora gesprochener Sprache einbezogen werden. Das Korpus zur geschriebenen Sprache der französischen Printmedien basiert dabei auf dem Fundus der Onlinedatenbank LexisNexis Wirtschaft, die internationale Presse- und Wirtschaftsinformationen zusammenführt. An diesem Punkt ist eine Kooperation mit der Computerlinguistik der Universität Heidelberg erforderlich, um Möglichkeiten zur Verarbeitung natürlich gesprochener Sprache in die Zielsetzung der Korpuserweiterung zu integrieren.

Die korpusbasierten Analysen werden mithilfe semi-automatischer Verfahren durchgeführt, wofür insbesondere die Programme SketchEngine (Corpus Query System) sowie AntConc zur Anwendung kommen.

 

Literatur

Bonnafous, Simone/Krieg-Planque, Alice (2013): L’analyse du discours, in: Olivesi, Stéphane (Hg.): Sciences de l’information et de la communication. Objets, savoirs, discipline, Grenoble, 223-238.

Busse, Dietrich/Teubert, Wolfang (Hg.) (2013): Linguistische Diskursanalyse: neue Perspektiven, Wiesbaden.

Charaudeau, Patrick/Maingueneau, Dominique (2002): Dictionnaire d’analyse du discours, Paris.

Felder, Ekkehard/Müller, Marcus/Vogel, Friedemann (2012): Korpuspragmatik. Thematische Korpora als Basis diskurslinguistischer Analysen, Berlin/New York.

Felder, Ekkehard (Hg.) (2013): Faktizitätsherstellung in Diskursen. Die Macht des Deklarativen, Berlin/Boston.

Foucault, Michel (1971): L’Ordre du discours, Paris.

Guilhaumou, Jacques (2006): Discours et événement. L’histoire langagière des concepts, Besançon.

Krieg-Planque, Alice (2003): „Purification ethnique“. Une formule et son histoire, Paris.

Krieg-Planque, Alice (2012): Analyser les discours institutionnels, Paris.

Moirand, Sophie (2007): Les discours de la presse quotidienne: observer, analyser, comprendre, Paris.

Née, Émilie (2012): L’insécurité en campagne électorale, Paris.

Spitzmüller, Jürgen/Warnke, Ingo H. (2011): Diskurslinguistik. Eine Einführung in Theorien und Methoden der transtextuellen Sprachanalyse, Berlin/Boston.

Warnke, Ingo H./Spitzmüller, Jürgen (Hg.) (2008): Methoden der Diskurslinguistik. Sprachwissenschaftliche Zugänge zur transtextuellen Ebene, Berlin/New York.

Ziem, Alexander (2008a): Frame-Semantik und Diskursanalyse – Skizze einer kognitionswissenschaftlich inspirierten Methode zur Analyse gesellschaftlichen Wissens, in: Warnke/Spitzmüller 2008, 89-116.

Ziem Alexander (2008b): Frames und sprachliches Wissen. Kognitive Aspekte der semantischen Kompetenz, Berlin/New York: de Gruyter (Sprache und Wissen, 2).