Projekt

Die sprachliche Konstruktion geschlechtsspezifischer Körper und Rollenbilder.

Abstract

Das Promotionsvorhaben will die sprachliche Konstruktion geschlechtsspezifischer Körper- und Rollenbilder mittels korpuslinguistischer Methoden untersuchen. Sprache wird dabei nicht als ein Medium verstanden, das einheitlich wahrgenommene Gegebenheiten der Realität 1:1 abbildet, sondern – dem gemäßigten Konstruktivismus folgend – als eine Größe, die in hohem Maße dazu beiträgt, die kognitive Erfassung der Wirklichkeit zu formen. Gesellschaftliche Werte, Einstellungen und (Verhaltens-)Normen schlagen sich zwangsläufig im konkreten Sprachgebrauch nieder, sodass eine Analyse dieses Sprachgebrauchs erkennen lässt, wie ein bestimmter Ausschnitt aus der Wirklichkeit in Sprache präsent ist und im öffentlichen Diskurs verhandelt wird.

Die Korpuslinguistik stellt diverse Methoden zur Verfügung, um Korpora auf (usuellen) Sprachgebrauch zu untersuchen und die Semantik von Ausdrücken in ihren konkreten Verwendungskontexten zu beschreiben. Als besonders ertragreich gelten dabei qualitativ-quantitative Zugänge, d.h. die Kombination von Häufigkeitsabfragen mit der Analyse der spezifischen Bedeutung von Ausdrücken im Textzusammenhang. So lässt sich über die Häufigkeit eines Lexems erkennen, wie intensiv die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem bezeichneten Sachverhalt ist, während der qualitative Zugriff die spezifische inhaltliche Prägung dieser Auseinandersetzung verdeutlicht.

Die durch die Korpuslinguistik bereitgestellten Methoden sollen vor dem Hintergrund der seit den 1970er Jahren verlaufenden Gender-Debatte angewendet werden, um zu erkennen, wie Männlichkeit und Weiblichkeit sowohl aktuell als auch durch die Zeit hinweg in den Medien, konkret: in Zeitungstexten, verhandelt wurden und werden. Dabei stehen nicht nur die sprachlichen Konstruktionen von (tradierten und stereotypen) Geschlechterrollen im Fokus, sondern auch die sprachlich verhandelten geschlechtsspezifischen Körperbilder, z.B. im Kontext der Körpermodifikation (Piercings, Tätowierungen, Diäten etc.).

Konkret wird der Fragestellung nachgegangen, welche Zuschreibungen sich (besonders häufig) zu Lexemen wie z.B. Mann, Frau, maskulin, feminin u.v.m. finden lassen, d.h. welche Bedeutungen diesen Lexemen im Kontext des konkreten Sprachgebrauchs zukommt und ob bzw. wie sich diese Bedeutungen – und damit auch die durch sie angezeigten Körper- und Rollenbilder – im Laufe der Zeit geändert haben.