Projekt

Der »Held« im Deutschen. Eine linguistische Konzeptanalyse

Abstract

Helden rücken aufgrund ihrer medialen Präsenz in den letzten Jahren vermehrt in das Bewusstsein der Öffentlichkeit. Dabei wird in den verschiedenen Formaten keineswegs ein einheitliches Konzept von Heldentum präsentiert. Auch haben sich die Heldenkonzepte gerade in Deutschland im Lauf der Zeit stark verändert. Daraus ergeben sich als grundlegende Fragen des Dissertationsprojekts: Wie, also mit welchen sprachlichen und multimodalen Mitteln, wurden und werden Heldenkonzepte entworfen? Wie waren und sind sie beschaffen? Wer entwickelt(e) sie, in welchen kommunikativen Kontexten und für wen? Die Antworten auf diese Fragen zeigen, wie in Gesellschaften zu verschiedenen Zeiten Helden konstituiert und inszeniert werden. Zur Beantwortung dieser Fragen untersucht das Dissertationsprojekt die sprachlichen und multimodalen Formen der Konstitution sowie die gesellschaftliche Bedeutung von Heldenkonzepten der vergangenen ca. 100 Jahre.

Dem Vorhaben liegt die konstruktivistische Annahme zugrunde, dass Sprache die Wirklichkeit nicht nur abbildet, sondern unsere Vorstellungen von ihr in hohem Maße formt und konstituiert. Die Entscheidung für oder gegen die Verwendung einer bestimmten Bezeichnung oder eines sprachlichen Musters ist immer auch eine Entscheidung für eine bestimmte Perspektivierung der Wirklichkeit (Felder 2009). Die Analyse von Heldendarstellungen erlaubt daher auch zu erforschen, wie unser gesellschaftliches Wissen im Diskurs ausgehandelt wird.

Für diese Analyse werden Quellen aus dem von Umbrüchen geprägten Zeitraum von 1914 bis heute herangezogen werden. Dabei werden neben rein schriftlichen Quellen (Reden, Pressetexten) auch bildliche und filmische Quellen (Werbeanzeigen, (Superhelden)-Filme, politische Kampagnen) in die Untersuchungen miteinbezogen.

Zu diesem Zweck werden die unterschiedlichen Verwendungsweisen des Wortes „Held“ auf Familienähnlichkeiten (im Sinne des Wittgenstein’schen Ansatzes; Savigny 2011) untersucht werden, um festzustellen, wie verschiedene Heldenkonzepte unter einem einzigen Wort – „Held“ – subsumiert werden konnten. Dazu dienen frame-semantische Methoden, die eine differenzierte Bedeutungsbeschreibung sowohl von sprachlichen als auch von bildlichen und anderen Zeichengefügen erlauben (Klug demn.). Die in ersten Arbeiten erschlossenen Kategorien von Heldentypen sollen so differenziert beschrieben und analysiert werden: Typ I: Der militärische Held, Typ II: Der zivile Held, Typ III: Der Held ohne Heldentat, Typ IV: Der Held, der nicht Held genannt wird.

 

Literatur

Busse, Dietrich (2012): Frame-Semantik. Ein Kompendium. Berlin.

Felder, Ekkehard (2009): Das Forschungsnetzwerk Sprache und Wissen – Zielsetzungen und Inhalte. In: Felder, Ekkehard/Müller, Marcus: Sprache und Wissen. Theorie, Praxis und Erkenntnisinteresse des Forschungsnetzwerkes “Sprache und Wissen” (Sprache und Wissen 3): Berlin, New York. S. 11–18.

Gardt, Andreas (2003): Sprachwissenschaft als Kulturwissenschaft. In: Hass, Ulrike/König, Christoph: Literaturwissenschaft und Linguistik von 1960 bis heute (Marbacher Wissenschaftsgeschichte Bd. 4): Göttingen. S. 271–288.

Gardt, Andreas (2012): Textsemantik. Methoden der Bedeutungserschließung. In: Bär, Jochen A./Müller, Marcus: Geschichte der Sprache – Sprache der Geschichte. Probleme und Perspektiven der historischen Sprachwissenschaft des Deutschen. Oskar Reichmann zum 75. Geburtstag: Berlin. S. 15–37.

Klug, Nina-Maria (demn.): Framesemantik als Basis multimodaler Analyse. In: DrewnowskaVargane, Ewa/Bassola, Peter: Humboldt-Kolleg: Schnittstelle Text (Szegediner Schriften zur germanistischen Linguistik): Frankfurt/Main. S. 247–271.

Klug, Nina-Maria/Stöckl, Hartmut (2015): Sprache im multimodalen Kontext. In: Felder, Ekkehard/Gardt, Andreas: Handbuch Sprache und Wissen (Handbücher Sprachwissen 1): Berlin. S. 242–264.

Münkler, Herfried (2007): Heroische und postheroische Gesellschaften. In: Merkur: Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken 61 8/9. S. 742–752.

Savigny, Eike von (Hg.) (1998): Ludwig Wittgenstein, Philosophische Untersuchungen. Berlin: Akademie Verlag (Klassiker Auslegen, Bd. 13).

von den Hoff, Ralf/Asch, Ronald G. u.a. (2013): Helden – Heroisierungen – Heroismen. In: helden. heroes. héros. E-Journal zu Kulturen des Heroischen H. 1. S. 7–14.

Wengeler, Martin (2007): Topos und Diskurs – Möglichkeiten und Grenzen der topologischen Analyse gesellschaftlicher Debatten. In: Warnke, Ingo: Diskurslinguistik nach Foucault. Theorie und Gegenstände (Linguistik, Impulse & Tendenzen 25): Berlin, New York. S. 165–186.

Ziem, Alexander (2008): Frames und sprachliches wissen. Kognitive aspekte der semantischen kompetenz. Berlin, New York (Sprache und Wissen 2).