Projekt

  • Textsortennetz und Konstitution des Wissens in rechtlicher Kommunikation

Abstract

Für die Gesellschaft ist das Recht unverzichtbar. Recht regelt das Zusammenleben der Menschen, indem es die Wirklichkeit des Lebens den institutionellen Sachverhalten zuordnet und neues Wissen konstituiert. Das Dissertationsprojekt mit dem Titel “Textsortennetz und Konstitution des Wissens in rechtlicher Kommunikation” setzt sich mit der Frage auseinander, wie sich juristisches Fachwissen anhand der Entscheidungen von Gerichten aufbaut, weiterentwickelt und an Juristen übermittelt wird. Es gewährt mittels eines aktuellen und gesellschaftlich äußerst relevanten Themas in Deutschland – die Regelung der Rundfunkgebühren – einen Einblick in der Konstitution des Wissens im Recht, indem es die Vielschichtigkeit der deutschen Gerichtsurteile aufzeigt und ihre Rolle zum Aufbau des juristischen Wissens zum Thema Rundfunkgebühren verdeutlicht.

Darüber hinaus befasst sich die Arbeit mit den Textsorten, die auf Grundlage der Gerichtsurteile entstehen, mit diesen in einer engen Beziehung stehen, das “neue”/ “veränderte” Wissen transportieren und zur Umsetzung dieses Wissens in neuen Entscheidungen beitragen. Als Beispiel sei hier die Textsorte Leitsatz genannt. Leitsätze werden meist von Gerichten selbst verfasst und fassen die für einen konkreten Fall maßgebenden, aber noch nicht unzweifelhaft feststehenden (vgl. Horn 2007, S. 19, Rn. 26) rechtlichen Gesichtspunkte zusammen. Diese werden zusammen mit dem Entscheidungstext, mit anderen Texten oder alleine in Entscheidungssammlungen der Gerichte und in verschiedenen Fachmedien veröffentlicht. So entstehen oft Textsorten, die über einen gemeinsamen Teil verfügen, sich dennoch durch ihre textinternen und textexternen Merkmale voneinander unterscheiden. Diese Textsorten bilden ein “Netz” um Gerichtsurteile, dass den Gegenstand dieser Untersuchung darstellt.

Da einerseits thematisch verwandte Texte(sorten) über ihre Grenzen hinaus und andererseits nach ihren Leistungen für das Rechtssystem untersucht werden, eignen sie sich für die Untersuchungsmethode der linguistischen Diskursanalyse nach Felder (2011) und der Textsortenlinguistik nach Gansel (2009; 2011). Darüber hinaus soll überprüft werden, ob eine Verbindung zwischen der Diskurstheorie nach Foucault und der Systemtheorie nach Luhmann besteht und diese für die Untersuchung fruchtbar gemacht werden kann.