Projekt

  • Sprachliche Mittel der Agonalität im internationalen Diskurs um Mensch und Natur. Eine Analyse des deutsch- und englischsprachigen Medien- und Fachdiskurses.

Abstract

Das Verhältnis von Mensch und Natur ist traditionsreich und immer wieder mit Konflikten belastet. Der Mensch prägt spätestens seit der Industrialisierung die Natur in erheblichem Ausmaß. Immer wieder stößt er jedoch auch an Grenzen der Beherrschung, etwa bei Erdbeben oder Sturmfluten, oder sieht sich mit ethischen Problemen konfrontiert (z.B. im Verhältnis zu Tieren). Die Thematik betrifft jedes Individuum in seinen Primärerfahrungen; gleichzeitig werden z.B. Berichte von Naturkatastrophen in den Medien sprachlich und bildlich vermittelt wahrgenommen. Fachtexte spielen eine besondere Rolle gerade in der Diskussion ungeklärter oder dem Laien unbekannter Naturphänomene.

Im Dissertationsprojekt soll es darum gehen, wie Agonalität (vgl. Felder 2006, Felder 2012) in diesem Zusammenhang sprachlich dargestellt wird. Dabei soll der Diskurs um Mensch und Natur in den Sprachen Deutsch und Englisch untersucht werden. Verschiedene Akteure versuchen, ihre Sichtweise im Diskurs bewusst oder unbewusst durchzusetzen und bestimmte Konzepte im Diskurs zu verankern. Konfligierende Konzepte werden als agonale Zentren im Diskurs bezeichnet. Das Dissertationsprojekt untersucht, mit welchen lexikalischen, grammatischen oder textuellen Mitteln Agonalität in beiden Sprachen an der sprachlichen Oberfläche sichtbar wird und ob ähnliche oder unterschiedliche sprachliche Mittel erkennbar sind.

Auf diskursanalytischer Ebene sollen gleichzeitig die kulturellen Gemeinsamkeiten und Unterschiede untersucht werden, die in der Diskussion um Mensch und Natur in Deutschland, Großbritannien und den USA hervortreten. Welche Konzepte hier verhandelt werden und welche Akteure jeweils eine Rolle im Diskurs spielen, soll für die jeweiligen Sprach- und Kulturräume analysiert und verglichen werden.

Das Korpus setzt sich aus Medien- und Fachtexten zu unterschiedlichen Subthemen in der Thematik “Mensch und Natur” zusammen. Korpuslinguistische Methoden und texthermeneutisches Vorgehen werden kombiniert, um die Diskurse im Vergleich und die Mittel der Agonalität zu analysieren. Quantitativ gewonnene Ergebnisse werden immer wieder qualitativ überprüft.

Literatur

Baker, Paul / Ellece, Sibonile (2011): Key terms in discourse analysis. London et al.: Continuum.
Felder, Ekkehard (2006): Semantische Kämpfe in Wissensdomänen. Eine Einführung in Benennungs-, Bedeutungs- und Sachverhaltsfixierungs-Konkurrenzen. In: Felder, Ekkehard (Hg.): Semantische Kämpfe. Macht und Sprache in den Wissenschaften. Berlin et al.: de Gruyter (Linguistik – Impulse und Tendenzen 19). 13–46.
Felder, Ekkehard (2012): Pragma-semiotische Textarbeit und der hermeneutische Nutzen von Korpusanalysen für die linguistische Mediendiskursanalyse. In: Felder, Ekkehard / Müller, Marcus /Vogel, Friedemann (Hgg.): Korpuspragmatik. Thematische Korpora als Basis diskursanalytischer Analysen von Texten und Gesprächen. Berlin et al.: de Gruyter. (Linguistik – Impulse und Tendenzen 44). 111–170.
Gardt, Andreas (2013): Textanalyse als Basis der Diskursanalyse. Theorie und Methoden. In: Felder, Ekkehard (Hg.): Faktizitätsherstellung in Diskursen (=Sprache und Wissen 13). Berlin/New York: de Gruyter. 29–56.
Köller, Wilhelm (2004): Perspektivität und Sprache. Zu Struktur von Objektivierungsformen in Bildern, im Denken und in der Sprache. Berlin et al.: de Gruyter.
Spitzmüller, Jürgen / Warnke, Ingo H. (2011): Diskurslinguistik. Eine Einführung in Theorien und Methoden der transtextuellen Sprachanalyse. Berlin: de Gruyter.
Warnke, Ingo H. / Spitzmüller, Jürgen (2008): Methoden der Diskurslinguistik. Sprachwissenschaftliche Zugänge zur transtextuellen Ebene. (=Linguistik: Impulse und Tendenzen 31). Berlin: de Gruyter.